 |
Interviewreihe 2012 - Teil 12
Die Interviewreihe 2012 soll sowohl ein geschichtlicher als auch ein geographischer Schwenk von West nach Ost sein. Die Interviewpartner zum Thema Fastpitch kommen, wie bei der Interviewreihe über Baseball, aus allen großen Softball-Regionen und umfasst Spielerinnen bis hin zu Coaches und FunktionärInnen in jedem Alter, alte Hasen und jene, die noch ganz frisch in der ASL sind.
An unserem nächsten Interviewgast geht nichts vorbei, obwohl Michael Schmidt selbst nicht Softball spielt.
ABF: Du bist seit nahezu Ewigkeiten für die Dornbirn Sharx tätig und hast dort unter anderem viel Zeit und Geduld hineingesteckt. Des Weiteren bist du seit 9 Jahren im Vorstand der ABF und Vizepräsident für Softball. Außerdem bist du Ligavorsitzender für die ASL und in der ESF tätig. ?Außer Spesen nichts gewesen?? könnte man fragen, oder was motiviert dich, so viel in den Softballsport zu investieren?
Michael Schmidt: Mit gefällt der Sport einfach und 20 Jahre ist wirklich eine Ewigkeit, mein halbes Leben :-).
Zudem will ich immer möglichst professionell arbeiten, dafür muss ich auch bereit sein ein wenig mehr zu tun ? zudem ist es für andere nicht so einfach mir etwas recht zu machen. Ich bin auch im Vorstand des europäischen Softball Verbandes ? die Aufgabe habe ich mir ?angetan? nachdem mich einfach einiges gestört hat bzw. ich was ändern wollte, was bewegen ? weil ich daran glaubte bzw. glaube.
Zudem gibt mir Softball auch sehr viel zurück, ich habe so viele tolle Leute auf der ganzen Welt kennen gelernt, alles Menschen die ich ohne diesen Sport und meine Aufgaben nie getroffen hätte. Viele davon darf ich mittlerweile gute Freunde nennen ? manche auch inspirierende Gegner :-).
Ohne Softball hätte ich voraussichtlich auch nicht meine langjährige Lebensgefährtin kennengelernt ?alleine dafür bin ich Softball einfach einiges schuldig.

Foto: www.sharx.ws
Michael Schmidt ist 41 Jahre alt, seit 1992 als Funktionär, Coach und Manager bei den Dornbirn Sharx tätig und im Vorstand der ABF, der ESF (European Softball Federation, Anm.) vertreten. In der ABF ist er Vizepräsident für Softball und Ligavorsitzender der ASL.
Die ASL (Austrian Softball League, Anm.) wird ab dieser Saison in einem neuen Format gespielt. Neben den fünf Teams der letzten Jahre werden zwei weitere Teams, die Crazy Chicklets aus Wiener Neustadt und die Bucks Bunnies aus Wien, an der Liga teilnehmen. Erkläre unseren Lesern doch kurz wie das neue Format aussieht und welche Verbesserungen sich die ABF daraus erhofft.
Es geht einfach darum neue Teams besser einzubinden. Unsere Strukturen sind am wachsen, es gilt jetzt ein paar Jahre mit kreativen Ligastrukturen zu spielen, bevor wir hoffentlich wieder in der Lage sind klar getrennte Leistungsgruppen zu haben, möglichst nach Regionen aufgeteilt.
Der Modus 2012 sieht vor, dass die fünf bestehenden ASL Teams gegeneinander wie bisher jeder gegen jeden (Heim und Auswärts) spielt. Genauso spielen Bucks Bunnies und Chicklets gegeneinander in dem Modus. Zusätzlich spielen die beiden ?Newcomer? gegen die anderen fünf Teams einen Homedoubleheader. Mit dem System ist gewährleistet, dass die neuen Teams an die Strukturen herangeführt werden, ohne gleich ?überfordert? zu werden mit langen, zeit- und kostenintensiven Auswärtsfahrten. Die versierten Teams bekommen zusätzliche Spielzeit und können ihren gesamten Kader mehr ausnutzen.
Möglich ist dies, weil in der ABF Softballgemeinde ein recht gutes Verständnis für das Miteinander besteht und den einzelnen Vereinen klar ist, dass wir nur miteinander und nicht gegeneinander was bewegen können.
2010 fand die höchst erfolgreiche Juniorinnen-EM in Wien statt. Von allen Seiten hagelte es Lob über die Organisation und die Veranstalter. Sportlich war der Event jedoch mehr als eine Niederlage. In diesem Jahr wird eine Juniorinnen-EM ausgetragen und Österreich ist auch wieder dabei. Was sind die Erwartungen für 2012? Welche Coaches werden die Mädels begleiten?
Die Organisation der EM in Wien war sicher ein Meilenstein für die ABF was die Veranstaltung von Großereignissen betrifft und ich muss mit Respekt sagen, dass die Aufgabe durch die Verantwortlichen und die ehrenamtlichen Helfer sehr gut gelöst wurde.
Wie schwierig es ist einen solchen Event mit 16 Teams zu organisieren zeigt gerade auch jetzt die Tatsache, dass Belgien, eine der führenden Baseball und Softballnationen (Mitbegründer von CEB und ESF) fünf Monate vor der nächsten EM die Austragung zurückgelegt hat und ein Alternativ-Veranstalter (den es zum Glück gibt) einspringen muss.
Also Hut ab vor der Leistung der ABF und den austragenden Vereinen für den Event 2010.
Was das Abschneiden des Teams bei der Heim EM betrifft ist es richtig, dass mit dem Erreichen des letzten Platzes die sportliche Seite mehr wie dürftig war. Wir waren ein guter Gastgeber und haben uns mit dem letzten Platz begnügt. Scherz beiseite, es war 2010 klar, dass wir ein komplett neues Team stellen würden, einige Spielerinnen waren aus dem Juniorenalter rausgewachsen, einige andere haben einfach mit dem Sport aufgehört.
Wir hatten nach der Juniorinnen EM 2008 und der Seniors EM 2009 einen starken Aderlass bei den Spielerinnen, es haben einfach zu viele in beiden Kategorien ihre Gloves an den Nagel gehängt. Zudem waren 2010 bei der EM von den wenigen wirklich erfahrenen Spielerinnen gerade auch diese noch verletzt.
Wir haben schon 2011 bei der Seniors EM gezeigt, dass Softball Austria den Generationenwechsel erfolgreich vollzogen hat. Der achte Platz (von 20) war ein gutes Ergebnis, wobei nicht das Optimum, da sind noch 2-3 Plätze weiter vorne realistisch, da fehlt einfach beim jungen Team noch die Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit.
Ähnlich sehe ich die Entwicklung bei den Juniors. Neben den Camps 2011 wurden in den Regionen und Vereinen direkt seit November letzten Jahres durch die Nationalteambetreuer nicht nur die Kaderspielerinnen, sondern auch potentielle Kandidatinnen verstärkt betreut. Wir haben die Coaches vier Monate lang in die Regionen und zu den Spielerinnen geschickt.Anfang März finden die ersten beiden österreichweiten Trainingstage der Juniors in Wien statt. Im Team sind nicht nur vier Spielerinnen, die bereits bei der Seniors EM nicht nur dabei waren, sondern auch zu den Leistungsträgern gezählt haben.
Einige Spielerinnen, die mittlerweile in ihren Vereinen in der ASL zu den Stammspielern gehören sind neu im Team. Das Nationalteam spürt jetzt sehr stark, dass in den Vereinen in den letzten 2-3 Jahren doch verstärkt im Nachwuchsbereich gearbeitet wurde. 2010 war noch zu früh um die Erfolge zu sehen, 2012 wird ein anderes Juniorinnenteam an der EM teilnehmen, davon bin ich überzeugt. Wir haben gerade im Pitching mehr Breite und Erfahrung, die Offense ist viel stärker geworden. Ich erwarte mir keine Wunder und mit der Gruppenauslosung (Gruppe D mit Deutschland, Spanien und der Ukraine) ist ein Weiterkommen in die Top 8 (mind. 2 Platz) alles andere als einfach.
Die Dornbirn Sharx sind nach einjähriger Pause wieder zurück auf dem Österreichischen Fastpitch-Thron. Nach einer dominanten Serie von acht Meistertiteln in Folge konnten sich 2010 die Pee Wees aus St. Pölten erstmals die Meisterkrone aufsetzen. Nun sind die Damen aus dem Ländle wieder zurück. War das alles so geplant?
Nach dem Vizemeistertitel 2010 hat sich der Verein neu ausgerichtet. Für die letzte Saison war geplant mit dem neuen Team (wir hatten viele neue, junge Spielerinnen) in der ASL so gut wie möglich mitzuspielen und über die nächsten Jahre langsam wieder an die Ligaspitze anzuschließen. Wir haben damit gerechnet, dass die Sharx ab 2013/2014 wieder um den Meistertitel mitspielen können und dann ab 2015/2016 sich auch wieder international ausrichten.
Der Meistertitel 2011 kam uns bei dem Plan etwas in die Quere und war einfach nicht erwartet ? auch wenn man sich erinnert wie die Saison begonnen hatte. Das Ganze hat unsere Pläne nun auch ein wenig geändert, wobei wir von der Grundstruktur - Aufbau eines jungen, neuen Kaders inklusive entsprechendem Unterbau ? nicht abgehen.

M. Schmidt mit Francesca Fabretto - Foto: www.sharx.ws;
Ohne Frage seid ihr die erfolgreichste Softballmannschaft Österreichs. Eines eurer Erfolgsrezepte war immer Top-Imports zu finden. Auch der Coaching-Staff trägt sicherlich zu eurem Erfolg bei. In der Vergangenheit konntet ihr außerdem immer wieder Österreichische Spielerinnen verpflichten. Wirft man allerdings einen Blick auf den letztjährigen EM-Kader, so ist da keine einzige Spielerin aus Vorarlberg zu finden. Steht da eine Umstrukturierung zugunsten der Nachhaltigkeit ins Haus?
Top Imports ist nicht das ausschlaggebende, die Damen müssen ins Team, ins System passen ? und dafür ist es viel wichtiger den richtigen Coach zu haben. Wir hatten auch Glück, dass die Spielerinnen in den letzten EC Jahren sehr gut ins Team gepasst haben und wir mit Francesca Fabretto eine europäische Toptrainer haben, die es wie kaum wer anderer versteht ein Team aus lauter Individualisten zu formen. Es gab auch Jahre in der weder Coaches noch Spielerinnen gepasst haben, auch wenn sie rein statistisch das Non plus Ultra waren.
Natürlich war der Verein durch seine Struktur und Ausrichtung in der Vergangenheit für Spielerinnen anderer Club immer interessant, wobei ich viel Wert darauf lege, dass die österreichischen Spielerinnen hier immer von ihrer Seite den ersten Schritt gemacht haben.
Das 2011 keine Sharx Spielerin im Nationalteam war ist einfach zu erklären. Die Leistungsträger der vergangenen Jahre haben entweder alle aufgehört zu spielen oder ihre internationale Karriere beendet. Es waren zwar noch 3 fixe Spielerinnen im Kader, die die letzten Jahre auch immer Nationalteam gespielt haben, aber diese Spielerinnen wollten nach 8 Jahren mit den Sharx in der Championsleauge, 8 Staatsmeistertiteln in Folge und 3-4 EM Teilnahmen, wie der Verein an sich, ein wenig langsamer treten.
Wie sich die Sharx als Team geändert haben zeigt sich auch wenn man das Meisterteam von 2008 und das von 2011 vergleicht ? da sind gerade noch 3 Spielerinnen in beiden Kadern zu finden.
2012 sind jetzt aber wieder 3 Juniorinnen Spielerinnen im erweiterten Kader des Juniorinnen Nationalteams, d.h. wir werden auch wieder unseren Anteil für Softball Austria leisten.
Wir befinden uns mitten in der Umstrukturierung für die nächsten Jahre und wenn wir uns den Kader so anschauen steckt da sehr viel Potential drin ? bei den Sharx aber auch in den Nationalteams.
2012 werden die Sharx Österreich beim Cup der Champions in Enschede, Niederlande vertreten und sich mit Europas Elite im Damen-Fastpitch messen. 2009 konntet ihr als erstes Österreichisches Team überhaupt ein A-Pool-Europacup-Turnier gewinnen. Was sind eure Erwartungen für das diesjährige Turnier?
Die Sharx waren in den Jahren 2008-2010 ein absolutes europäisches Spitzenteam. Wir haben 2009 die Championsleague als erstes (und bis heute einziges)Team gewonnen, welches nicht aus Italien oder Holland kommt. In den drei Jahren haben wir drei unserer insgesamt vier Championsleague Medaillen gewonnen.
Das Team 2012 ist ein anderes, wir haben sehr viele neue und auch sehr junge Spielerinnen im Team, ein Großteil der Spieler hat noch nie das Europacup Niveau gesehen ? es wird ein sehr spannendes Turnier für die Sharx und für die langjährigen Betreuer sicher eine neue Erfahrung was die Erwartungshaltung angeht. Es wäre vermessen zu sagen wir gehen hin und holen uns unsere Medaille, dafür ist unser Team zu jung zu unerfahren, auf der anderen Seite ist es nicht die Vereinsmentalität auf ein wichtiges Turnier zu fahren nur um ein wenig Bälle zu werfen.
Wir werden dieses Jahr nicht mit einem klaren ?Schlachtplan? antreten sondern uns Spiel für Spiel anschauen und uns auch ein wenig überraschen lassen was das Team kann und ob unsere Jungen Respekt zeigen vor den ?großen? Teams oder so unbekümmert weiterspielen wie bisher. Das gute ist, diesmal haben wir nichts zu beweisen und schon gar nichts zu verlieren.
Ein kurzer Word-Rap zum Abschluss:
Spritzer oder Bier: warum entscheiden? ? beides?
Tie-Breaker: nichts für die Nerven alternder Coaches
1st-Base-Coach oder 3rd-Base-Coach: 1st ? zu mehr reichen meine Kenntnisse auch nicht
Meine wichtigste Goldmedaille: es gibt eigentlich 4 ?2002 erster ASL Sieg, 2003 erste Titelverteidigung in der ASL, 2009 Championsleaugesieg (na no na ned) und 2011 ASL mit einem neuen Sharxteam, mit dem nicht gerechnet wurde.
Final 4: tolles Spielformat, Eventcharakter muss noch gesteigert werden
Homerun oder 1-2-3-Inning: Homerun in der Offense, 1-2-3 in der Defense?
In 10 Jahren bin ich: 51
Lieblings Base: 1st
LINKS:
zurück
|